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Die „Biennale del disegno“ in Rimini

Jeder Abschnitt der den Zeichnungen gewidmete Ausstellung hat seinen besonderen Reiz. Unter dem Titel „Eine Reise in ein Zimmer“, sind Papierarbeiten wichtiger Künstler der 1950er und 1960er Jahre mit antiken Rahmen kombiniert.

Die „Biennale del disegno“ in Rimini

Text: Lisa Mittelberger

Zeichnungen, die Reisen erzählen: Dies ist das Thema der vierten Ausgabe der Biennale des Zeichnens, die bis zum 28. Juli in Rimini besucht werden kann. Eine Gelegenheit, die man in dieser Stadt, die neben ihrem renommierten Badeangebot viel zu bieten hat, nicht verpassen sollte. Der zentrale Kern der Biennale des Zeichnens ist in dem neuen Flügel des Stadtmuseums untergebracht, nur wenige Schritte von der berühmten archäologischen Stätte der römischen Domus des Chirurgen entfernt. In den historischen Räumen des Museums haben die Zeichnungen ihren idealen Platz neben der umfangreichen Gemäldegalerie gefunden. Im „Museo della Città“ kann man unter anderem Meisterwerke der Rimini-Schule des 14. Jahrhunderts, Meisterwerke des Renaissancehofs und die Malerei des 17. Jahrhunderts mit ihren bekanntesten Vertretern wie Cagnacci, Centino und Guercino bewundern. Zeichnungen und Reisen sind an den Notizbüchern jener jungen Leute, deren kulturelle Ausbildung die Grand-Tour durch die wichtigsten Kunststädte beinhaltete, verbunden. In den Notizbüchern wurden Eindrücke über die künstlerischen Schönheiten festgehalten, die auch durch Zeichnungen wiedergegeben wurden. Die Souvenirs von damals waren wertvolle Gegenstände wie Stiche, Notenblätter und Gemälde. Eine Auswahl solcher Erinnerungsstücke wird in der Biennale des Zeichnens in der Sektion „Der Schatz der Westmorland“ ausgestellt. Neben der Schönheit der Gegenstände fasziniert auch die Geschichte hinter diesem Schiff, das selbst einem gemessenen Besucher zum Träumen bringen kann. Die Westmorland war ein Schiff, dessen Ladung aus Kunstwerken bestand, die von englischen Aristokraten während der Grand-Tour erworben wurden. Im Jahr 1778 wurde das Schiff von der französischen Marine beschlagnahmt und nach Malaga eskortiert. Dort wurden alle mit Begeisterung gesammelten Gegenstände an König Karl III. von Spanien verkauft, der sie wiederum der Königlichen Akademie der schönen Künste von San Fernando in Madrid übergab. Es ist das erste Mal, dass eine Auswahl dieser „Beute“ nach Italien zurückkehrt und auch der ideale Ausgangspunkt, um die Biennale des Zeichnens zu besuchen und sich von ihrer Magie verzaubern zu lassen.

Jeder Abschnitt der Biennale hat seinen besonderen Reiz. Besonders bezaubernd ist der Teil mit dem Titel „Eine Reise in ein Zimmer“, wo Papierarbeiten wichtiger Künstler der 1950er und 1960er Jahre mit antiken Rahmen kombiniert sind. Die Harmonie zwischen Farben und Gold betont sowohl die Werke als auch den Rahmen und die besonders gelungene Platzierung an den Wänden macht das Gesamte noch ansprechender. Im Erdgeschoss kann man hingegen in die bunte Unterwasserwelt von Samuele Grassi „eintauchen“. Grassi stellt sich ein überflutetes Rimini mit Meeresmonstern, die zwischen untergetauchten Gebäuden und Denkmälern schwimmen, vor. In der umfangreichen Sektion „Die besten Reisen unseres Lebens“ sind die Werke von 15 internationalen Künstlern ausgestellt, die durch die Originalität der Zeichnungen überraschen, wie die mit Kugelschreiber realisierten Zeichnungen von Gabriele Bonato und Antonio Riello, die aus einem scheinbar wirren Knäuel blauer Striche Alltagsgegenstände wie ein Paar Turnschuhe entstehen lassen. Die Reisebücher aus gepresstem und „gekratztem“ Papier von Vito Capone sind wahrscheinlich voller Eindrücke, die vorher noch im Kopf geschrieben werden müssen und dessen Sprache raffiniert und fesselnd ist. Kryptisch bleibt die Reise in den Gedanken von Gianni Moretti, wo die Gedanken die weiße Keramik mit angedeuteten Formen von Augen oder einfachen Rissen prägen, die wie unbeabsichtigt wirken. „Ich halte die Stellung“ ist die Sektion, die ganz Simone Massi, dem widerstandsfähigen Zeichner und Animator, gewidmet ist. In einem Video erzählt Simone die Nostalgie für ein bäuerliches Leben, das im Verschwinden begriffen ist. Seine Animationen schaffen eine Welt, die in den Traum übergeht, wo ein Detail wie das Auge einer Figur eine andere Welt verbirgt, die die Szene übernimmt, um sie dann einem anderen Detail zu überlassen und so weiter.

Biennale del Disegno. Ritorno al viaggio. Dal Grand Tour alla fantascienza

Museo della Città “L. Tonini”, Palazzo del Fulgor, Ala di Isotta del Fellini Museum e Biblioteca civica Gambalunga, Sale Antiche e Galleria dell’Immagine

bis 28. Juli 2024

https://www.biennaledisegnorimini.it/home-2024-en/

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